Donnerstag, 22. September 2016

Einfacher Dolch

Völlig fantasieloser Titel ohne Spaßfaktor für einen völlig uninspirierten Blogeintrag über einen Dolch:


Der hier gezeigte, einfache Dolch nimmt die Heftgestaltung des frühen 14. Jahrhunderts nach den Funden der Ostschweiz und setzt sie unspektakulär auf eine Stichklinge mit Mittelgrat. Die Schulterplatte aus Messing erfüllt einen rein funktionalen Zweck.

Montag, 19. September 2016

Ende g(H)ut, alle gut!!

Ich hab es ja unbedingt in meinem letzten Blogbeitrag (gibt's da eigentlich eine Szenwort dafür? Blogling? Blogerl?) vollmundig ankündigen müssen: einen Hutbeitrag! Also legen wir los:

Hüte sieht man auf Abbildungen bei Männern der erste Hälfte des 14.Jhdt. eigentlich immer. Na, fast immer. Auf jeden Fall oft. Und in sehr vielen der Immer-fast-oft-Fälle ist es der aus Film- und Fernsehen so bekannte Robin-Hood-Hut. Ein einfacher Hut mit runder Kalotte und hochgebogener Krempe im hinteren Bereich der dann vorne spitz zuläuft. Robin-Hoodig halt. So wie der richtige, coole "HaHa!" Robin Hood mit Errol Flynn jedenfalls. Nicht wie der peinliche Hutverweigerer Kevin Kostner oder der Freiheitsschwafler par excellence, Russel Crowe. Alles hutloses Pack.

Nein, Errol Flynn .. das war einer. Frauenheld, Trinker, Kettenraucher, Raufhansl und er war ... Hut? Ach ja, es geht um Hüte!

Voll der junge Errol Flynn, oder? Na gut der mittelalte ... aber immerhin

Donnerstag, 1. September 2016

Da! Es könnte möglicherweise unter Umständen vielleicht ...

Ich bin sicher, liebe Leser, ihr kennt das: Man such Belege und blättert Handschriften durch und .. findet nix. Also schreibt man in seinem Blog darüber. Was ohnehin schon schwierig ist, weil wie soll man über nix denn schon groß schreiben? (Natürlich kann man NIX auch groß schreiben, hat aber nix damit zu tun dass NIX auch groß nix bleibt)

Dann aber vergeht die Zeit und irgendwer postet aus völlig anderem Grund irgendein Bild .. und da ist es dann! Jubel brandet auf! Die Bauern jauchzen! Zwei Problemstellungen mit einem Bild erschlagen .. nur halt nicht ganz eindeutig. Ist es aber eh nie, oder?

 

Das Problem mit den Textilpanzern


Erst vor kurzem schrieb ich in meinen Wehrbürgerartikeln über die Ausstattung der Infanterie in der ersten Hälfte des 14.Jhdt. Bis Südtirol musste ich virtuell hatschen um Textilpanzer auf Abbildungen zu finden. Und dann kam dieses Bild:

Bildausschnitt aus einem Concordantiae caritatis (Lilienfeld, NÖ, 1349-1351)

"Textilpanzer? Wo? Und Wien ist das auch nicht?" rufen jetzt meine innere Stimme und die Skeptiker im Chor ... ach haltet doch die Klappe!
(Das ging vor allem an meine innere Stimme, mit meinen Skeptikern würd ich nie so reden *blumenstreuundschampuskaltstell*)

Immer hin ist Lilienfeld mit 60km Luftlinie schon mal besser als eine Burg im Trentin mit 690km Entfernung .. genau gesagt um 91,3% besser. Und ja, ich halte es tatsächlich für einen Textilpanzer und jetzt kommt auch das "Warum":

+ Die Farbe
Die Lilienfelder Handschrift hat eine erstaunliche Konsequenz was die Wiedergabe von Farben angeht. Leder ist sehr deutlich an seiner schwarzen Färbung zu erkennen, und zwar bei Schuhen, Taschen, Scheiden etc.. Ich hab hier schon mal was dazu geschrieben.
Auch bei der Darstellung von leinen kann man sich recht gut darauf verlassen dass es weiß bis eierschalenfarbig gemalt ist. Und genau das ist bei diesem Überrock der Fall!
Da aber die Überröcke in der Handschrift üblicherweise ebenso bunt sind wie die Kleidung ist das schon mal ein Indiz auf was Besonderes.

+ Die Zaddeln
Wer sich mit dieser Handschrift und Ähnlichen aus diesem Zeitraum und der ungefähren Region vertraut macht stellt schnell fest, dass man Zaddeln (dieses "zipfelartige Zeugs an den Säumen" für die die das Wort nicht kennen) eigentlich nur an Gugeln findet. Kleidungssäume zu zaddeln ist um 1350 voll nicht modisch. Außer ... bei Rüstzeug! Da dann aber überall .. an den Plattenröcken, den Waffenröcken und eben auch an Textilpanzern:

Zaddeln an Rüstzeug um 1350, Bilder aus Südtirol (links und ganz links), Westfalen (2.v.R.) und Frankreich (rechts)

+ Die Doppelnaht am Ärmel
Indizmäßig wird es da schon dünner, aber die Lilienfelderhandschrift zeigt in der Regel keine Ziernähte auf Kleidung. Es könnte sich daher um eine Konstruktionsnaht handeln wie sie am Übergang von klassisch verarbeiteter Textilbahn zu der bloß ausgeschnittenen Zaddelung manchmal zu sehen ist .. vor allem an Gugeln ist das auffällig oft auf der Fall.
Die Konstruktionsnaht könnte hier dazu genutzt worden sein um den stark gesteppten und somit schützenden Panzerungsbereich vom reinen Zierelement der Zaddeln abzugrenzen.

Natürlich spricht nicht alles dafür, dass wir da einen Textilpanzer sehen .. auch die Gegenargumente wollen wir uns kurz ansehen:

~ Die Knöpfe
Interessanterweise ist selten zu sehen wie Textilpanzer im frühen 14.Jhdt. geschlossen wurden, die meisten wirken wie Schlupfkleidung. Knöpfe sind sicher ein Möglichkeit, die sich aber auf den meisten Abbildungen, wenn überhaupt, dann nicht in der Deutlichkeit finden lassen. Knöpfe finden sich als Verschluss erst später in der 2.Hälfte des 14.Jhdts. die des Bild erst einleitet. Also plausibel, würd ich sagen.

- Die Steppnähte

Der Hauptzweifel besteht schließlich darin, dass keinerlei Steppnähte an der Kleidung zu erkennen sind obwohl wie oben angeführt sehr wohl Nähte gezeichnet wurden. Auch die anderen Abbildungen von Textilpanzern zeigen die Nähte in aller Deutlichkeit. Ein ziemliches Hammerargument gegen meine These ... und trotzdem neige ich dazu das Ganze immer noch als irgendeine Form von Rüstkleidung zu sehen. Eventuell aber als Unterzeug unter einem Ringpanzer. Ich bin da unschlüssig.

 

Das Problem mit Robin Hood 


Dazu will ich jetzt gar nicht viel sagen, denn ein Hood .. äh, Hut-Beitrag ist schon länger geplant. Nur soviel:

Man träumt schon als Kind von kecken, grünen Hütchen mit Feder dran um einmal zu sein wie Errol Flynn! (Schwerenöter, Alkoholiker und Kettenraucher? Na OK .. aber immerhin besser als Justin Bieber .. wie das schon klingt ...)

"Und dann scheitert man am Beleg fürs Federchen ... bis heute!"
Also eigentlich gestern! Aber der Beitrag ist von heute .. hmm ... ist jetzt blöd ... neuer Versuch:

"Und dann scheitert man am Beleg fürs Federchen ... bis zur Kalenderwoche 36/2016!"
Na gut, das klingt jetzt wieder irgendwie nach Justin Bieber .. nochmal?

Und dann schei ... Ach haltet doch die Klappe! Lang lebe Errol Flynn!

Freitag, 26. August 2016

Schilde hoch! Roter Alarm! Und gelber auch .. und weißer wenns das gibt ..

So, jetzt ist es soweit. Ich hab einen Schild. Zwar ist mein Schwert noch weit weg von der Fertigstellung, Scheide gibt's entsprechend auch noch keine .. aber einen Schild hab ich schon. 


Na gut, das sieht jetzt eher nach einem verunglückten Kandinsky aus, aber abwarten! Das wird noch. Versprochen!

Dienstag, 23. August 2016

HOW TO: Gürtelbleche oder "Wie bastel ich einen Mittelaltergürtel?"

Es ist soweit, ich mach ein How-To. Etwas das mir beruflich schon mehr als einmal einen Nervenzusammenbruch erspart hat wenn ich mal wieder irgendeinen Linuxserver etwas beibringen musste, das er so absolut nicht als seine Kernaufgabe akzeptieren wollte. Weil mich aber Computerbetriebssysteme zwar regelmäßig beschäftigen aber mein Bloginteresse nicht wirklich treffen, soll es um etwas gehen das einen Hobbynutzen hat.

Im heutigen Premieren-How-To patze ich also ein Beschreibung ins Netz in der es um  um einen einfachen Gürtel geht und ich will Schritt für Schritt zeigen wie man Schnallenblech und Riemenzunge anfertigt und montiert.

Dazu beginnen wir mit einer Übersicht was ihr dazu an Werkzeugen braucht. Ich hab dazu meine historischen Werkzeuge fotografiert, weil ich auch daheim am Esstisch damit arbeite. Man kann aber natürlich auch mit modernen Werkzeugen "substituieren" wenn man sich das ganze Klumpert nicht in Vorführungsqualität zulegen möchte. Entsprechende Hinweise werde ich bei den einzelnen Schritten angeben (wenn ich es nicht vergesse und es eurer Kreativität überlasse).

Freitag, 19. August 2016

Irgendwie ... drollig

Drollig, nicht prollig. Und auch nicht rollig. Wirklich drollig! Von "Drolerien" und somit aus dem französischen drôl was so viel heißt wie lustig oder komisch.

Gemeint sind mit dem Begriff "Drolerie" übrigens die witzigen und oftmals mehr als schrägen Randbilderchen in der gotischen Buchmalerei. Auf mich wirken die immer so als würde ein junger Mönch der gerade 12 Seiten altes Testament abgeschrieben hat, und noch Farbe in der Muschel, das aufmalt von dem alle im Dormitorium immer gesagt haben: "Traust dich nie, Siegbert!"

Jedenfalls müssen alle Buchkünstler in der Welt da draußen und auch damals sich nicht fürchten dass ich in ihrem Revier wildere. Könnt ich auch gar nicht. Ich kann nur ein bisserl "in der Gegend rumschießen" mit  meiner Messerscheidenverziererei.


Grundlage für die letztägliche Drolligkeit war mal wieder Messerscheiden zu machen die ich so noch nie hatte. Und da wilde Phantasiekreaturen wie Greife oder Drachen auf Originalen zu finden waren dachte ich mir: "Was solls, mach was Fantasievolles! Die Leute werfen die ohnehin staubtrockene A-Papsttümlerei vor .. da kannst du auch mal deinen Spaß haben."

Fingerschlaufenflechtmathematische Grundlagen .. oder "Aus Lang wird Kurz"

Letztens hat meine wunderbare Tochter mal wieder ein fingerschlaufengeflochtenes Band für eine Vereinskollegin gemacht nur um nach getaner Arbeit festzustellen, dass das Band zum Frontschnürverschluss (Ich fürchte mit weiteren überlangen, zusammengesetzten Hauptwörtern ist in diesem Beitrag zu rechnen!) eines späten 14.Jhdt.-Kleides um genau 7cm zu kurz war.

Ha dachten wir uns da! (Also gleich nachdem wir uns "Drecksvermaledeiterhühnersch#*&%#" gedacht hatten.). Das kann ja so nicht angehen. Das muss experimentiert, dokumentiert und mathematisiert werden! Vor allem in Hinblick auf mein Beckenhaubenfingerschlaufenwebband, das demnächst ansteht.

Beginnen wir also mit einem furztrockenen und völlig lesensunwertigen Artikel über die "Mathematischen Grundlagen des Fingerschlaufenflechtens":

Ziel der Arbeit soll sein ein Band zu fertigen, dass eine Bandlänge von Lb aufweisen soll. Dazu ist es zunächst wichtig zu wissen dass auch bei einem fertigen Fingerschlaufengeflechtband (Ja, ich schreib das weiter aus, geht heute nämlich um Tippübungen, Sturheit und Übermut) ein Überstand von der Länge bleibt, nämlich dort am Ende des Bandes wo zwar noch Schlaufen vorhanden sind aber selbst zur Kinderarbeit gezwungene Jungmädchenfinger nicht mehr sinnvoll weiterflechten können. Gott sei Dank ist diese Überlänge relativ konstant und von der Fingerdimension abhängig. In unserem Fall wären es 5cm. ( = 5cm)

Die fertige Bandlänge Lb ergibt sich wiederum durch die ursprüngliche Schlaufenlänge Ls, die Anzahl der verwendeten Schlaufen S und eine von der Technik abhängige Verkürzung V. Daraus ergibt sich dann die einzusetzende Gesamtlänge an Faden von Lt .... blablaschnarch.

Ich verschon euch mal mit dem Rest und komm mal lesbarer zu den interessanten Fakten, ok?

Wir haben zwei Testbänder gemacht, eines in der schnellen 5-Schlaufen-Flachband-Technik und ein anderes in 8-Schlaufen-Rundband. Die Ergebnisse sind ziemlich eindeutig.

5-Schlaufen-Flachband-Technik

Wie diese Technik funktioniert kann man sich youtuben oder googeln, das Ergebnis ist jedenfalls ein flaches Band mit folgender Optik:

Flaches 5-Schlaufenband (oben, links)
 
Grundlage für das Band waren entsprechend also 5 Schlaufen aus einem in unserem Fall 110cm langen Faden pro Schlaufe. Also 550cm Fadenbedarf. Vom gemeinsamen Knoten an einer Seite bis zum Schlaufenende waren es also 55cm. Verstanden? Egal, ich mach ein Bild:


Dann wird geflochten und am Schluss kriegen wir ein Band (Bild siehe oben). Leider lässt sich so ein Bandl fingertechnisch nicht bis zum Ende flechten, also bleibt uns ein Rest und zwar 5 Schlaufen, jede ca. 5cm lang, am Ende:


Ja, dass das nicht maßstabsgetreu ist weiß ich auch. Soll aber mehr ein Sinnbild sein, ok? Also habe ich aus ca. 55cm langen Schlaufen ein 40cm langes Band erhalten. Das könnten wir jetzt (schweren Herzens und entgegen obiger Ankündigung und weil ich Formeln irgendwie gut finde) in eine Formel gießen die uns die benötigte Schlaufenlänge für ein Band gewünschter Länge gibt:


Um das ganze jetzt natürlich merkbarer zu gestalten und Fingerschlaufenflechter in handgenähter Kleidung zu vermeiden die kopfkratzend ihr Smartphone zücken wollen wir noch einen Merksatz versuchen:

Zum flachen Banderl ein Viertel und eine Handbreit dazu
dann hast die Länge vom Schlauferl und schon is' Ruh


Und schon können wir uns der anderen Technik zuwenden und die ganze Geschichte für ein 8-Schlaufen-Rundflechtband angeben, hier ergibt sich durch den veränderten Querschnitt eine stärkere Längsreduktion, in Formel ausgedrückt:


Aussehen tut so ein Band dann wie folgt:

Rundgeflochtenes Band mit 8 Schlaufen (unten)

Natürlich wollen wir auch hier ein Merksätzchen formulieren und weil (Achtung Bildung!):
"Repetitio est mater studiorum" (Die Wiederholung ist die Mutter der Gelehrtheit) machen wir alles zusammen noch mal:

Zum flachen Banderl ein Viertel und eine Handbreit dazu
dann hast die Länge vom Schlauferl und schon is' Ruh

A Drittel und a Handbreit zum Bandl ganz rund
und schon bist fertig in unter einer Stund'!



Damit hätten wir das volkstümliche und das wissenschaftliche jetzt wunderbar erledigt und ich entlasse euch, geliebte Leser mit der eindeutigen Aufforderung das Sprücherl auswendig zu lernen und nie mehr mit zu kurzem Bandl dazustehen!

PS: Ein Beitrag der die beiden Techniken auf Video vorstellt wäre geplant, sagt meine Tochter. Sobald mein neues Handy startbereit ist, sagt meine Tochter. Sie macht das, sagt sie ...