Montag, 16. Januar 2017

Die Sache hat doch einen Haken ...

Our english-speaking guests can find an abstract at the end of the article

Kurz gesagt: Die IG14 schmiedet jetzt! Naja, sie versucht es. Eine Schmiede aufzutreiben war noch die geringste Kleinigkeit, die ist im Nebenhaus. Aber das Schmieden an sich, hmm .. wir hatten ja keine Ahnung von Irgendwas .. das haben wir auch jetzt nicht, aber immerhin arbeiten wir.

Unser erstes Projekt waren Sohleneisen für Eis und Schnee. Die sind aber eher simpel gewesen und waren mir bisher keinen Blogeintrag wert. Kommt vielleicht noch.

Was ich aber unbedingt herzeigen möchte war unser nächster "Erstversuch". Dazu muss ich sagen, dass Schmiedekundige jetzt besser ganz stark sind, denn wir standen das erste mal an Amboss und haben da sicher den einen oder anderen Bock geschossen. Dessen Fleisch können wir dann ja kochen und aus dem Topf fischen ... mit dem neuen Fleischhaken!



Einen Fleischhaken wollte ich für unsere IG14-Küche ja schon lange mal irgendwo kaufen, hatte sich aber irgendwie nie ergeben. Glücklicherweise waren ein paar in den Arbeitskopien die ich gemacht hatte als wir erstmals ein Auge aufs Schmieden geworfen hatten (und ich nehme an dieses Auge war halblind weil es zu lange in die Esse gestarrt hat).

Die zwei Exemplare die uns also als erstes in die Hände fielen stammen aus The Medieval Household: Daily Living c.1150-c.1450 , einem wirklich sehr netten Buch voll mit kleinen Notwendigkeiten die man so als moderner Depp dann in seiner Freizeit ohne großes Talent nachbauen kann. Auch die Schaumkelle die ich mal gebaut habe stammt aus diesem Buch.

Zwei mittelalterliche Fleischhaken aus London (14.Jahrhundert)
(1) Two medieval flesh hooks from 14th century London


Eleganterweise findet man beide Stücke (Schaumkelle und Fleischhaken) beim so ungeheuer sympathischen wirkenden Koch des Hrn. Lutrell im Einsatz wieder:

Schaumkelle und Fleischhaken aus dem Lurell-Psalter (Add. MS 42130, um 1330)
(2) Skimmer and flesh hook from Add. MS 42130 (Lutrell-Psalter), around 1330

Und weil das "Abschroten" (für diejenigen die es nicht wissen, wie ich z.b. zu dem Zeitpunkt als wir es gemacht haben: "abschroten" ist das Teilen oder Spalten des Werkstückes mit Abschrothammer oder Ähnlichem) ja schon bei den Sohleneisen (ja, schon gut, ich blogge darüber ... bald .. irgendwann) so gut geklappt hatte haben wir die Technik gleich dafür angewandt:

Eine Seite des Fleischhakens (mit erkennbarem Fehler an der mittleren Zinke) und Abschrotspuren
(3) Detail of the front side of the flesh hook

Oben also eine Detailansicht der abgeschroteten Zinken inklusive einem kleinen Fehler in der Mitte der aber Gott sei Dank die Funktion nicht beeinträchtigt. Die Rückseite sieht man dann auf folgendem Bild:

Rückseite des Fleischhakens
(4) Detail of the back side of the flesh hook

Als Befestigung des Ganzen am späteren Stiel hatten wir uns vorausschauend folgenden diabolischen Plan zurechtgelegt: Wir versuchen gleich mal eine Tülle (ohne jegliche Ahnung wie das gehen soll) und wenn die nicht hinhaut dann machen wir einfach einen Dorn draus, so wie beim Fund oben links.

Gesagt, gedacht und getan (Ja, in der Reihenfolge) .. und siehe da: eine Tülle! Ein häßliche Tülle! Aber die im Fund oben rechts gewinnt ja auch keinen Preis.

Befestigungstülle des Fleischhakens
(5) flesh hook with spout for the wooden handle

Für den Schaft (oder Stiel) hab ich ein gedrechseltes Buchenstäbchen genommen, wenn es sich bewährt dann kann es mal bleiben. Wenn nicht nehm ich wohl ein Stück Weide oder Haselnuss von mir aus dem Garten.


Was jetzt noch bleibt ist die wahre Verwendung des guten Stückes zu verraten: Ich plane nämlich die liebe, knochenflötende und Psalter zupfende Agnes demnächst standesgemäß zu begleiten:

Grillrostfleischhakende Musikanten aus der ersten Hälfte des 14.Jahrhundert

Was uns dann zu dem wahnsinnig leiwanden Grillrost führt den Lutz von der Hacheschmiede für uns gemacht hat .. und der noch nicht publiziert ist ... was eine Schande ist. Mea culpa! Mach ich dann ... bald .. nach den Sohleneisen ... oder ...


Abstract for our english-speaking guests:

News from the freshly started IG14-Forge! This time a late medieval flesh hook. Flesh hooks were used to get boiled meat out of the kettle (2) or to turn it when you got something on the grill.

The one we made is a hybride from two findings from London (1), three hooks (as on the left side) but with spout as the one to the right. You can see details of the piece on pictures (3, here you can see where the metal was splitted by an axe-like hammer, a procedure known as "abschroten" in German) and (4). A detail of the quite crude spout is shown on picture (5).

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